Schule Integra

Die Idee, zusammen mit Flüchtlingen eine eigene Schule zu gründen, entstand in der Betriebsgruppe des Mittagstisches in St.Gallen. Es sollte eine Schule sein, welche Flüchtlingen und Einheimischen offen steht und gegenseitigen Austausch ermöglicht. Ein Ort, wo Kultur gelebt und Wissen geteilt wird. Die Schule wurde «Integra» getauft. Integra ist eine autonome Schule, in welcher die Teilnahme kostenlos ist und die Kursleiter unentgeltlich arbeiten. Es wird keine pädagogische Ausbildung vorausgesetzt. Die Freude am Lehren, Lernen und am Austausch verschiedener Kulturen ist zentral.

Eine gute Lösung

Nachdem die wichtigsten Eckpfeiler definiert waren, wurde mit dem Aufbau der Schule nicht lange gezögert. Schnell wurde nach einer Lösung für die Unterkunft gesucht und mit dem alten Schulhaus in St.Fiden (ehemalige Scuola Italiana) eine gute Lösung gefunden. Zwei Räume stehen unserer Schule nun dort seit dem 1. Januar 2010 zur Verfügung. Die Schulleitung übernahmen Charles, Ibrahim, Felix und Anna.

Innerhalb der Interessengruppe, welche sich am Aufbau der Schule beteiligt, wurde nach Kursleitern gesucht. Am 4. Januar 2010 startete die Schule dann mit einem Angebot von sieben  Kursen.  Bereits am ersten Tag war das Schulzimmer gerammelt voll. Den Flüchtlingen war anzusehen, welch grosse Wichtigkeit die Eröffnung dieser Schule für sie hat.

Sie genossen es sehr nun endlich einen Ort zu haben, wo sie etwas lernen und sich auszutauschen können. Die Kursleiter waren sehr motiviert und genossen die gute Stimmung unter den Teilnehmenden.

«Integra bedeutet Integration. Wir Ausländer wollen hier in der Schweiz integriert werden. Unserer Schule bedeutet aber sogar noch mehr als nur Integration. Es ist ein Geben und Nehmen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen.»

Abraham Ahmmad

Wachsendes Kursprogramm

Zu Beginn war alles noch sehr provisorisch, da noch fast kein Material vorhanden war. Nachdem das St.Galler Tagblatt einen Artikel über die Integra schrieb und ein Foto das spärlich eingerichtete Schulzimmer zeigte, wurde uns eine Wandtafel geschenkt. Viele liebe Mails erreichten uns von Leuten, die uns unterstützen wollten.

Unter den Interessierten befanden sich einige, welche neue Kurse anbieten wollten. Es konnten auch zusätzlich Flüchtlinge motiviert werden  ihr Wissen weiterzugeben und eigene Kurse anzubieten. So entstand ein neuer Stundenplan mit mittlerweile 21 Kursen. Dieser startete am 7. Februar 2010 und dauert ein Semester lang. Die Kurse sind verbindlich. Eine Anmeldung verpflichtet zur Kursteilnahme bis zu den Sommerferien.

Weiterbestand sichern

Ein guter Anfang ist gemacht. Es wird hoffentlich bald ein geregelter Kursalltag einkehren, der zu einer Bereicherung für alle wird. Wer Lust und Zeit hat, an einem Kurs teilzunehmen ist herzlich willkommen. Nun fehlen vor allem noch die lernenden Einheimischen. Wir freuen uns auch über einen spontanen Besuch.

Damit wir unsere Schule längerfristig sichern können, sind wir auf Spenden angewiesen, mit welchen wir Schulmaterial kaufen können. Wer in irgendeiner Weise mithelfen möchte, soll sich unter schule@solidaritaetsnetz.ch melden. Für das zweite Semester suchen wir auch Leute, die praktische und handwerkliche Kurse anbieten.

Ein grosses Dankeschön an alle, die die Eröffnung unserer Schule ermöglicht haben und mit Tatendrang und Enthusiasmus mitarbeiten und mitdenken!

Anna Heule