Allgemeines
Asylsuchende, die dem Thurgau zugewiesen werden, kommen zuerst (oder für längere Zeit) in eines der fünf kantonalen Heime, die von der eigenständigen «Peregrina Stiftung» (kath. und reform. Kirche), im Auftrag des Kantons Thurgau, geleitet werden. Nach dem Aufenthalt von zirka einem Jahr werden die Asylsuchenden, sofern sie bis dann überhaupt noch da sind, in eine der rund 80 Gemeinde transferiert. Hier ist es, wo wir primär aktiv sind.
Diesen Auftrag sinnentsprechend und allen gegenüber gerecht auszuführen ist auf jeden Fall immer ein schwieriges Unterfangen. An einigen (wunden) Punkten ist diese Betreuungsart sicherlich auch verbesserungsfähig. Dies zu erreichen, durch verschiedene Arten von «Interventionen von aussen» und auch durch mehr Information und Öffentlichkeitsarbeit, ist ein wichtiges und hoch gestecktes Ziel.
In den vergangenen Jahren, wo es für den Thurgau nur wenige Zuweisungen gab, ist es in einigen Fällen so gewesen, dass die Leute über mehrere Jahre in diesen Zentren bleiben mussten. Der Hauptgrund dafür war, die verbliebenen Heime aufrecht zu halten, und weitere Schliessungen (wie Arbon, Roggwil und weitere) zu vermeiden, was nachvollziehbar ist. Für die Betroffenen war das hingegen keine Argumentation, die sie interessieren konnte und somit ein schlechter Trost.
Die Situation hat sich mittlerweilen infolge neuer (Gesetzes- und Verteil-) Situationen geändert, und die noch vorhandenen Heime sind seit geraumer Zeit wieder gut ausgelastet, resp. überfüllt. Und es werden gezwungenermassen nach einem Aufenthalt von ungefähr einem Jahr wieder Gemeinde-Zuweisungen gemacht, obwohl noch kein Asylentscheid gefällt wurde.
(Keine) Beschäftigung und (zu wenig) Deutschkurse
Ausser das Heim zu putzen und für sich zu kochen und zu waschen gibt es für die Bewohner in den Heimen nicht viel Beschäftigung. Es gibt zwar Deutschkurse in jedem der Heime, allerdings ist deren Qualität relativ umstritten. Es sind kaum ausgewiesene Lehrpersonen im Einsatz, sondern oft Zivildienstler, die immer wieder wechseln, und die Kurse selbst beginnen immer wieder neu. Dies ist für Neu-Ankömmlinge zwar gut, für Langzeit-Bewohner (auch Leute mit F!), die wirklich deutsch lernen möchten, aber sehr unbefriedigend.
Es gäbe zwar gute (und günstige) D-Kurse in verschiedenen Gemeinden und auch einige andere bereits vorhandenen Sprachschulen, wie auch die von HEKS Infra (für Frauen). Diese werden jedoch kaum je «angeordnet» und bezahlt, obwohl es ja gerade für Leute mit F (vorläufige Aufnahme) ein wichtiger Faktor (und im Gesetz auch so vorgesehen) wäre. Interventionen, um Verbesserungen betreffend Deutschkurse für ein paar Frauen (mit F) und Kinder zu erreichen waren ziemlich erfolglos. Dabei müsste es doch im Sinne aller sein, selbst Intensivkurse für speziell Interessierte/Begabte finanziell zu ermöglichen und Prüfungsmöglichkeiten auf verschiedenen Stufen, die aussagekräftig und anerkannt sind, zuzulassen. Wäre Motivation und Beschäftigung zugleich, sowie die Vorbereitung zur Möglichkeit der effektiven (und beruflichen) Integration.
Es gibt jetzt als «Beschäftigung» im Heim nur noch das «Wald-Programm», wo sich einige Bewohner melden können, um für CHF 3.— pro Stunde zusätzlich zum Taschengeld im Wald zu arbeiten, jeweils am Nachmittag, je nach Arbeit und Wetter.
- Früher gab es für Kinder, die frisch gekommen waren, schnell eine interne «richtige» Schule (d.h. nicht «nur» deutsch) im Heim in Frauenfeld, bevor sie allenfalls den öffentlichen Schulen zugewiesen wurden. Im Heim gibt es das nicht mehr, doch kommen sie «relativ schnell» offenbar in eine spezielle öffentliche Integrationsklasse.
- Früher gab es Beschäftigung für handwerklich Begabte in Frauenfeld, wo es hauptsächlich um ein Schreiner-Praktikum ging, im Rahmen von nötigen Renovationsarbeiten am Heim selbst.
- Früher gab es 1 mal jährlich für 10 – 15 Interessierte und etwas deutsch sprechende Asylsuchende (nicht nur Frauen) ein 6-monatiges Näh-Praktikum «Schnittmuster» welches bei erfolgreicher Absolvierung am Schluss mit einer (günstigen) Nähmaschine und Abschlussdiplom belohnte. Gibt es leider nicht mehr seit 2 Jahren.



