
Seit dem ersten Januar 2008 erhalten alle Asylsuchenden in der Schweiz, die keinen gültigen Flüchtlingsausweis und auch keine vorläufige Aufnahmebewilligung haben, keine Sozialhilfe mehr. Da es ihnen gleichzeitig verboten ist zu arbeiten und selber Geld zu verdienen, stehen nun viele Asylsuchende in unserem reichen, aber oft kalten Land buchstäblich auf der Strasse. Das Gesetz lässt ihnen die Wahl zwischen drei Möglichkeiten, eine schlechter als die andere: Erstens 8 Franken Nothilfe pro Tag, zweitens mehrere Monate Gefängnis, drittens Ausreise. Aber gerade das Letzte ist oft nicht so einfach, weil die gültigen Papiere fehlen, weil Verfolgung droht oder weil die ganze Familie alles Geld und alle Hoffnung in den einen jungen Mann gesetzt hat, der es bis hierher geschafft hat und sich jetzt nicht nur schämt als Versager zurückzukehren, sondern auch Repressionen oder Verstossung befürchten muss.
Eine Asylpolitik ohne Pardon
Aber die 2006 vom Schweizer Stimmvolk mit grosser Mehrheit beschlossenen Verschärfungen kennen, abgesehen von einer engen Härtefallregelung, kein Pardon. Seit den 80er Jahren ist die Asylpolitik mit dem Segen der Stimmbürger und Stimmbürgerinnen kontinuierlich verschärft worden. Die Verunsicherung durch die vielen weltpolitischen und wirtschaftlichen Veränderungen verbunden mit der geschickten SVP-Propaganda haben wohl bei vielen schwerer gewogen als humane oder christliche Argumente.
Vielfältige Aktivitäten
Bereits im November 2004 als in einem ersten Schritt 200 Flüchtlinge auf die Strasse gesetzt wurden, haben sich engagierte Christen und Christinnen und Leute aus der Antirassismusbewegung zusammengeschlossen zum Solidaritätsnetz Ostschweiz.
Mit heute über 1200 Mitgliedern hat das Bündnis in der Unterstützung der Flüchtlinge Erstaunliches geleistet. Herzstück und Symbol für die Arbeit des Solidaritätsnetzes ist der Mittagstisch. Seit fünf Jahren wird in der Stadt St.Gallen täglich für 10 – 30 Personen von einem Team von etwa 70 ehrenamtlichen Frauen und Männern gekocht. Nach dem Essen werden Beratungen angeboten, Freiwillige besuchen die Leute regelmässig im Gefängnis, begleiten sie zum Arzt und verhandeln mit den Amtsstellen. Die Mitglieder des Solidaritätsnetz feiern Feste und Gottesdienste mit den Flüchtlingen, haben ein Netz von Anwälten und Ärzten, die die Flüchtlinge wenn nötig auch kostenlos behandeln und informieren die Öffentlichkeit über die unhaltbaren Zustände. In regelmässigen Versammlungen werden Erfahrungen ausgetauscht und die nächsten Ziele und Aktionen geplant. Möglich gemacht und begleitet wird dies alles auch durch das Gebet und die Spenden von jenen, die diese Arbeit unterstützen, aber selber die Zeit zur aktiven Teilnahme nicht haben.


