Das Solidaritätsnetz entstand 2004 als Reaktion auf den vom Parlament beschlossenen Sozialhilfestopp für Personen mit einem Nicht-Eintretens-Entscheid (NEE). Im Oktober 04 wurden im Kanton St.Gallen etwa 200 Personen mit NEE aus den Asylunterkünften oder aus ihren einfachen Wohnungen in den Gemeinden auf die Strasse gestellt. Obwohl gemäss der Schweizerischen Verfassung (Art. 12) alle Betroffenen «Nothilfe» erhalten sollten, das heisst eine Unterkunft für die Nacht, Nahrung und allenfalls medizinische Versorgung, war niemand wirklich auf diese Situation vorbereitet. Viele Flüchtlinge übernachteten deshalb im Freien, auf Bahnhöfen oder in Telefonkabinen.
Im November 2004 gründeten 21 Einheimische und 6 Flüchtlinge gemeinsam das Solidaritätsnetz St.Gallen, das bereits an der 2. Vollversammlung im Dezember 2004 in Solidaritätsnetz Ostschweiz umbenannt wurde, weil Interessierte aus den Kantonen Appenzell, Thurgau und Graubünden mit dabei waren.
Bereits an der Gründungsversammlung wurden zwei Säulen der Solidarität festgelegt. Einerseits einigten die Anwesenden sich auf die humanitäre Unterstützung der Flüchtlinge und beschlossen, einen täglichen Mittagstisch in St.Gallen ins Leben zu rufen. Später kamen BeraterInnen, BegleiterInnen, eine Gefängnisbesuchsgruppe, Ärzte und juristische Beratung dazu. Andererseits entschlossen sich die GründerInnen, sich politisch zu engagieren, für eine menschenwürdige und gerechte Flüchtlingspolitik einzustehen und in der Ostschweiz Bewusstseinsarbeit zu leisten, um die Vorurteile und Ängste gegenüber Flüchtlingen in der Gesellschaft abzubauen. Unzählige Veranstaltungen wie zum Beispiel öffentliche Mittagstische, 24-Stunden Mahnwache, Demonstrationen, Gottesdienste, Podien, Konzerte, Begegnungsabende, Solidarische Weihnachten oder politische Spaziergänge fanden seither statt. Sehr vieleGespräche mit den Verantwortlichen in den politischen Gemeinden, eine intensive Lobbyarbeit bei Ostschweizerischen PolitikerInnen, Medienarbeit und ein eigener Newsletter ergänzen diese Bemühungen.
Seit Beginn ist das Solidaritätsnetz eine sehr heterogene Basisbewegung, in der jede und jeder sich so ins Netz einbringen kann, wer er oder sie das kann und will. Auf einer Mitgliedkarte können Interessierte bis heute selber ankreuzen warum und wie sie Mitglieder im Netz sein möchten. Der gegenseitige Respekt, offene Strukturen flache Hierarchien und die Zusammenarbeit zwischen freiwilligen Einheimischen und Flüchtlingen sind dabei zentral. Heute zählt das Netz rund 1200 Mitglieder.



